Radreise 2015 -Deutschland, Frankreich, Luxembourg, Belgien

Dieses Jahr stand einmal nicht eine Radreise an, die uns fast nur über altltbekannte und ausgeschilderte Radfernwege führt. Als Reisegebiet wählten wir Rheinland-Pfalz, Vogesen, Lothringen, Luxembourg, Belgien mit dem Ziel Aachen in Nordrhein-Westfalen aus.

Wir planten, insbesondere in Frankreich, die ganz normalen D-Straßen zu fahren. Also wurden im Vorwege ING-Karten beschafft, zusätzlich hatten wir eben noch ADFC-Karten im Maßstab 1:150.000 für Deutschland mit.

Für die Strecken in den Vogesen und Lothringen gab uns Natalie aus dem Radreise-Forum einige Tips, so daß wir schon einmal einen Anhalt hatten, wo es sich landschaftlich lohnt.

 

1.Tag  01.08.2015

Wir bestiegen früh in Hamburg-Altona den IC nach Heidelberg um dort dann umzusteigen in den RE nach Neustadt an der Weinstraße. Aufgrund der Verspätung des IC hatten wir den Anschluß verpaßt und nahmen eben den nächsten Zug. Werner, noch mal Radreise-Forum, wollte uns am Zielbahnhof erwarten und uns ein wenig begleiten. Unglücklicherweise erfuhren wir im Zug, daß zwischen Haßloch und Neustadt an der Weinstraße Zugersatzverkehr eingerichtet wurde. Werner kurz infomiert, der sich kurzentschlossen auf den Weg nach Haßloch machte und uns dort empfing.

Es bot sich an, auf den Weg nach Wissembourg den Radfernweg Deutsche Weinstraße zu nutzen. Aber erst einmal kehrten wir nach ein paar Kilometern in eine Waldschänke unterhalb des Hambacher Schlosses ein. Es war schon nach Mittag und wir hatten Hunger und Durst. Werner begleitete und durch die Weinberge bis nach Burrweiler. Davor kamen wir noch durch Rhod unter Rietburg als schönes und durch Blumenpracht hübsches Weinörtchen. Ein bischen touristisch, aber trotzdem schön.

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Seliges Weinstädtchen

Nachdem uns Werner verlassen hatte, begann eine Odyssee nach einer Unterkunft. Wo wir auch fragten, es waralles belegt. Weinfeste überall. Hmmmh, was nun? In die Rheinebene fahren oder weiter Richtung Frankreich? Eine Hotelbesitzerin bot sich an, obwohl sie selbst die Bude voll hatte, herumzutelefonieren. Nach einiger Zeit zeigte sie sich mit der frohen Botschaft, es gäbe in Annweiler am Triefels noch ein freies Zimmer. Und so war es auch, ein ordentliches Hotel mit schönem Ausblick. Was will am mehr.

Halbtagesstrecke 39km

 

2.Tag  02.08.2015

Durch ein gutes Frühstück gestärkt starteten wir in einen sonnigen Tag. Wir wollten an der Burg Trifels vorbei wieder auf den Radfernweg Deutsche Weinstraße gelangen. Nur sind wir irgendwie verkehrt gefahren und landeten oben auf der Burg Trifels. Ende im Gelände. Also zurück und neu versuchen. Nach drei, vier Kilometern bergab fanden wir ein Möglichkeit von der Straße abzufahren. Der anfangs breite Waldweg verengte sich immer mehr zu einem Singletrail. Wir haben es dann irgendwie mit unseren Reiserädern geschafft an der ursprünglich angepeilten Stelle herauszukommen.

Weiter ging es über Bergzabern nach Wissembourg. Zwischendurch haben wir eine Eispause eingelegt. Das Wetter mit Sonne und ca. 30°C legte es nahe. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich in Frankreich gleich nach der Grenze das Straßen- und Häuserbild völlig verändert. Wir fanden ein nettes kleines Hotel in einer Seitengasse und schritten zu einer Stadtbesichtigung und Auffinden eines Restaurants, wo wir gut zu Abend gegessen hatten.

Wissembourg
Wissembourg

Tagesstrecke 56km, mag wenig sein, war aber den Hügeln und der Wärme geschuldet. Wir sind nicht auf der Flucht!!

 

3.Tag  03.08.2015

Der neue Tag verspricht wieder sehr sonnig und warm zu werden. Wir starten nach dem Frühstück Richtung Drachenbronn. Dann ging es über Lembach, Obersteinbach, Reichshofen in das Baerenthal. Also über die Hügel auf und nieder durch kleine Dörfer und schöner Mittelgebirgslandschaft. Es wurde immer wärmer und bei 32°C stoppte das Thermometer. Unterwegs bei einer Rast sahen wir zwei radreisende Mädchen vorbeiziehen. Die ersten die wir in Frankreich mitten in der Provinz entdeckten. Unsere Wahl, die kleinen Departementstraßen zu nutzen, erwies sich als richtig. Kaum Autoverkehr und die wenigen, die unterwegs waren, fuhren respektvoll an uns vorbei.

Im Baerenthal war es am Flüßchen schön schattig und kühl. So ging es über ca. 10km bis zum Örtchen, wo wir uns einquartierten. Es war abends immer noch so warm, daß wir am nahe gelegenen Restaurant des kleinen Freizeitparks lediglich eine Pizza herunterbrachten. Erfrischendes Bierre blanche war auch zu haben, man merkte die Nähe zu Deutschland.

Tagesstrecke 56km, puh, war das warm. Ist man aus Hamburg nun so gar nicht gewohnt.

 

4.Tag  04.08.2015

Weiter soll es Richtung Verdun gehen. Wir entscheiden uns, nicht über Metz, sondern über Pont-a-Mousson zu fahren. Dieser Tag sollte nicht zu den Highlights der Reise gehören. Vom Wetter her war es eher bedeckt und kühl. Ein heftiger Regenschauer überraschte uns in der nicht so attraktiven Landschaft. Die Orte hatten vielfach DDR-Charme, hervorgerufen durch den Niedergang der Stahlindustrie in Lothringen. Longwy ist nicht weit…Über Lemberg, Sarre-Union, Nelling erreichten wir Lening, wo wir das einzige Hotel, welches weit und breit zu finden war. Keines, welches man in Erinnerung behalten sollte; wir haben den Namen vergessen.

Tagesstrecke 65km

 

5.Tag  05.08.2015

Nach einem schmalen Frühstück schwangen wir uns auf die Räder und fuhren jetzt durch ein doch wieder attaktivere Landschaft. Leicht wellig und auf den Hügelkuppen mit immer wieder weiten Ausblicken. Auf den Äckern konnten wir einige, vereinzelte Bunker erblicken. Wir vermuteten, daß es sich um Teile der Maginot-Linie handelt. Erschlossen für Besichtigungen war keiner und Hinweistafeln waren nicht zu entdecken. Heute wurde es wieder richtig heiß und über Morhange, Nomeny erreichten wir Pont-a-Mousson, wo wir eine Unterkunft fanden. Auf der Suche nach einem Restaurant haben wir noch dieses kleine Städtchen kennengelernt. An der Marina fanden wir ein schönes Restaurant und speisten zwischen den Besitzern der Freizeitboote sehr lecker:  Aus frischen Kartoffeln zubereitete Frites und Beauf Tartar schmecken. Wie schon öfters erlebt, an den Marinas findet man oft gute Lokalitäten, nie preiswert, aber immer gut.

Tagesstrecke 80km

 

6.Tag  06.08.2015

Die Hitzewelle geht weiter. Im Gegensatz zu Deutschland war es wohl schon länger heiß und trocken. Auf den Weiden waren Raufen gefüllt, es mußte zugefüttert werden. Wiesenflächen sahen ziemlich verdorrt aus. Unserer IGN-Karte konnten wir entnehmen, daß wir auf unserer Strecke den Lac de Madine berühren würden und freuten uns, uns abkühlen zu können. Der See entpuppte sich tatsächlich als Badesee. Erst einmal ins Wasser: Zischschschsch…Wollen wir noch wieder schwitzend weiterfahren? Nein, an der gegenüberliegenden entdeckten wir ein schönes Hotel in Hedicourt-sous-les-Cotes. Das Zimmer bezogen, die Fahrräder eingeschlossen, die Badesachen unter die Arme geklemmt, sind wir einen kurzen, schönen Fußmarsch zum See gelaufen und noch zweimal uns abgekühlt. Jetzt hatten wir doch Hunger und genossen ein mehrgängiges Menü um dann wohlig ins Bett zu fallen.

Tagesstrecke: 37km, ja, wir waren faul. Na und?

 

7. Tag 07.08.2015

Heute gab es ein richtig umfangreiches Frühstück. Das normale petit dejeuner ist doch manchmal ein bischen knapp für die Bedürfnisse des Reisradler. Wir brechen schon bei gut gestiegener Temperatur Richtung Verdun auf. In Hedicourt-sous-les-Cotes hielten wir noch an einem Supermarkt für Snacks für unterwegs an. Gerade angehalten, kamen noch zwei Reiseradler aus Deutschland hinzu. So im Nachhinein wissen wir aber nicht mehr woher und wohin sie wollten. Kaum aus der Ortschaft hinaus, sahen wir schon die Hügelkette mit der ersten Ortschaft vor uns. Das sah ordentlich nach Höhenmetern aus und so war es auch.

Hier ging es steil hinauf Richtung Verdun
Hier ging es steil hinauf Richtung Verdun

Oben führte die nur wenig befahrene Straße immer auf dem Kamm fast schnurgerade und wellig Richtung Verdun. Auf der Hälfte tauchte schon ein Hinweisschild auf eine französische Stellung aus dem 1. Weltkrieg rechts des Weges auf. Wir schauten uns die betonierten Unterstände an. Die Erläuterungstafeln waren nur in französischer Sprache. Mit unseren bischen französischen Sprachkenntnissen konnten wir doch die Geschichte dieser Erinnerungsstätte nachvollziehen. Obwohl links und rechts alles bewaldet war, konnte man doch erkennen, daß der Boden eine einzige Granattrichterlandschaft ist. Das hörte auch bis Verdun und dahinter nicht auf. Einzig landwirtschaftliche Flächen wurden später eingeebnet. Einige Kilometer stießen wir auf die starkbefahrene Straße nach Verdun. Um aus der Stadt nicht wieder die Hügel nach Douaumont hinaufzumüssen, suchten wir uns einen Weg quer vor der Stadt. Ergebnis: Wir schoben unsere Räder über einen völlig ausgewaschenen Weg, der eher einem schotterigen, ausgetrockneten Bachbett glich, bis zur nächsten Straße hoch. Inzwischen war die Temperatur schon gut über 30°C und dementsprechend floß der Schweiß. Als erstes führte uns der Weg nach Fort Vaux, welches wir von außen besichtigten.

Fort Vaux
Fort Vaux

Auch hier Trichter an Trichter und zerstörte, befestigte Geschützstellungen. Die 30cm starken Stahlabdeckungen lagen teilweise in wie Teilen neben den Verbunkerungen.

Fort Vaux Geschützturm
Fort Vaux Geschützturm

Von dort fuhren wir an dem völlig zerstörten und nie wieder aufgebauten Dorf Fleury-devant-Douaumont nach Ossuaire de Douaumont, wo sich die Nekropole und davor am Hügel abfallend das riesige Gräberfeld befindet. Unzählige weiße Kreuze sorgen für ein beklemmendes Gefühl, zumal wenn man registriert, daß auf jedem Kreuz sich vier Namensplaketten befinden. Und daß sind nur die Gräber für die Franzosen.

Douaumont
Douaumont
Verdun_Nekropole
Nekropole

Deutsche Soldatenfriedhöfe gibt es auch, aber die liegen im weiteren Umfeld. Was muß mein Großvater hier wohl ausgehalten haben; erzählt hat er niemals davon. Bevor er starb, war ich noch zu jung um ihn zu befragen. Die Hitze machte uns doch jetzt zu schaffen und wir tranken im nächsten Restaurant ein Citron Presse. Nach Verdun in die Stadt ging nun gut bergab und danach durch eine ziemlich häßliche Vorstadt mit dem üblichen Gemisch aus Autohändlern, Baumärkten und Tankstellen in die Innenstadt. Sie wurde nach den Verwüstungen nicht sehr hübsch wieder aufgebaut. Quartier bezogen wir in einem kleinen Hotel in einer Seitenstraße. In der Flanierzone an der Meuse fanden wir eine Pizzeria für das Abendessen.

Tagesstrecke: 66km, mehr mag man bei der Hitze nicht.

 

  1. Tag 08.08.2015

Die neue Zielrichtung heißt Luxembourg uns so machten wir uns auf den Weg Richtung Norden linksseitig an der Meuse entlang. Wenig Verkehr und ein wenig welliges Land. Nach einigen Kilometern erhob sich links die Höhe „Toter Mann“, die 1916 traurige Berühmtheit erlangte. Allerdings hieß die Höhe auch vorher schon so. Rechts der Straße waren die Weiden, sehr nass, nach 1918 nicht planiert worden, währen die links der Straße trocken gelegenen Äcker eingeebnet wurden. Auch hier wurde am Straßenrand Infotafeln über ein zerstörtes und nicht wieder aufgebautes Dorf aufgestellt. Angenehm stellte ich fest, daß die Schilderungen der Ereignisse, wie auf den anderen Tafeln auch, sehr sachlich und ohne Schuldzuweisungen auskommen. Danach verließen wir die ehemalige Kampfzone und fuhren durch welliges Land unserem heutigen Ziel Luxembourg entgegen. Womit wir nun überhaupt nicht gerechnet hatten: Hinter uns fuhren Radreisende heran. Ein Paar im Pensionsalter aus Holland, wie wir beim Klönen erfuhren. Kurze Schilderungen unsererseits, woher wir kommen und wohin wir wollen. Die beiden waren in Barcelona gestartet und fuhren der Heimat entgegen. Schon durch fast Frankreich durch. Chapeau! Die Holländer fuhren davon; sie waren etwas schneller unterwegs. Bislang dahin hatten wir, außer den Reisenden aus Deutschland, nur zwei junge Damen auf Reise in den Vogesen gesehen. Laut Karte lockt uns bei Marville ein See zum Baden. Eine mittlerweile verfallene Freizeitanlage lag an dem einen Ufer und der See schien umgekippt. Kein Wunder, wurden doch Pferde durch das flache Wasser geführt, die auch fleißig äppelten. Wir verzichteten auf unsere ersehnte Abkühlung. In Marville blieben wir über Nacht.

Tagesstrecke: 58,4km

 

  1. Tag 09.08.2016

So kurz vor Luxembourg fuhren wir erst in schöner Landschaft an der Chies entlang. Aber danach wurde ist eindeutig trostloser. Die Dörfer sind fast alle ziemlich trist. Bars und Lebensmittelgeschäfte fehlen völlig. Wir mußten ganz schön lange gegen Mittag mit Kohldampf fahren. Nächstes Dorf: Nichts, nächstes Dorf: Nichts. Aber dann und ganz unvermutet entdeckten wir in so einem Tristdorf ein Edelbistro. Nichts wie rein und staunen: Happy Hour bei schönsten Ambiente. Für ein paar Taler hatten wir lecker schmeckende Snacks und Getränke. Bevor wir Differdange in Luxembourg über eine kurvige und gut ansteigende schmale Landstraße erreichten durften wir den Tanktourismus live erleben. Aber nun: In Frankreich noch trist, in Luxembourg alles freundlicher und wirtschaftlich belebter. In Differdange schoben wir vor dem Eisessen noch mit dem Rädern über den Flohmarkt und fanden an einem Verkaufstisch Teile unseres Frühstücksservice von Villeroy & Boch. What a pitty, wir müssen es sausen lassen; wie mit dem Rad heil nach Hamburg bringen. In Faetz bezogen wir dann Quartier um am nächsten Tag gen Luxembourg Stadt zu starten.

Tagesstrecke: 71km, war nicht so heiß, deshalb nun etwas mehr Strecke.

  1. Tag 10.08.2016

Es geht weiter auf dem gut ausgebauten und beschilderten Radwegenetz nach Luxembourg Stadt. Bei 23° C und eher wolkigen Wetter gab es einige wenige Regentropfen. In der Stadt war es dann wieder sonnig. Oben von der Festung hat man einen wunderschönen Ausblick.

Luxembourg
Luxembourg

Für einen Bummel durch die Stadt suchten wir eine sichere Abstellmöglichkeit für unsere Räder und das Gepäck, aber leider konnte uns auch die Tourismusinformation nichts bieten. Da besteht noch Nachholbedarf. Auch wollte uns der Graf von Luxembourg nicht empfangen, obwohl wir das unsinnige platte Lied aus den 60ern pfiffen. Wir schoben also unsere Räder durch die Stadt und ersetzten Christels aufgelöste Sportschuhe durch ein neues Paar. Danach ging es weiter relativ eben bis Mersch. In diesem Teil von Luxembourg gibt´s kein Tourismus und dementsprechend sieht es etwas mager aus. In Mersch bezogen wir ein Zimmer in einem Motel hinter dem Einkaufszentrum. In diesem befindet sich ein Italiener von riesigem Ausmaß, aber unsere Nudelgerichte waren richtig lecker. Danach verzogen wir uns auf unsere Zimmer und schauten uns noch das DFB-Pokal Spiel St. Pauli gegen Mönchengladbach an. Hat Pauli erwartungsgemäß verloren, aber sie spielten richtig toll und hielten gut mit.

Tagesstrecke: 60km

  1. Tag  11.08.2015

 

Weiter geht es Richtung Norden in Luxembourg. Wir verlassen das Radwegenetz, weil wir auf ziemlich direktem Wege den Vennbahn-Radweg ab Troisvergiers ansteuern wollen. Zunächst radeln wir an der Sure in schöner Landschaft und flach dahin. Später haben wir den wieder die Hügel zu fassen, aber die Landschaft ist weiterhin schön. Da es schon wieder sehr sonnig und warm ist, steuern wir einen in der Karte eingezeichneten See an. Leider entpuppte sich dieser als Stausee zur Stromerzeugung. Eingezäunt konnten wir nicht einmal illegal uns abkühlen. Die Gaststätte unterhalb der Staumauer suchten wir dann auf. Die eiskalte Cola war genau richtig; normalerweise verschmähen wir diese Brause. So ein bischen erfrischt ging es weiter. In der letzten Unterkunft hatte uns schon der Besitzer erzählt, daß diese Gegend nicht gerade touristisch erschlossen ist. Eine angesteuerte, nett anzusehende Ferienanlage war leider ausgebucht und wir fuhren auf Nebenstrecken weiter. Sobald man eine Hauptstraße erwischte, war der Verkehr mörderisch. Also ganz wie in Deutschland. Es wird gefahren als gäbe es keine nächsten Morgen.  In Hosingen fanden wir dann einen Campingplatz, der auch kleine und einfache Zimmer anbot. Wir schlugen für kleines Geld zu. Die angeschlossene Gaststätte lud nicht gerade zum Abendessen ein. Verraucht und einige besoffene Typen ließen uns das Weite suchen. So eine Spelunke hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Im Ort gab es ein Chinesen, bot zwar nur Durchschnittskost, aber was besser als gar nichts.

Tagesstrecke: 59km; Mersch – Ettelbruck -Hosingen

 

  1. Tag 12.08.2015

Leider bot der Campingplatz keine Frühstücksmöglichkeit. Wir haben den Bäcker im Ort genutzt, leider an der vielbefahrenen Hauptstraße gelegen. Ein LKW nach dem anderen donnerte direkt vor dem Fenster vorbei. Also kein Highlight der Reise, aber wir bogen, nach der Sättigung auf die Fahrräder gestiegen, auf die Nebenstraßen ab und strebten Troisvergiers zu. Hier fängt der Vennbahn-Radweg an, den wir bis Aachen nutzen wollen. Nach kurzem Beginn auf der Bahntrasse wurden wir abgeleitet und über den Berg geschickt. Die Beschilderung war teilweise sehr rudimentär, aber wir fanden trotzdem den Weg. Der Grund für die Ableitung ist der ehemalige Bahntunnel, der wegen der Fledermäuse auch im Sommer nicht freigegeben ist. Das kennt man von dem Milsebergtunnel in der Rhön anders. Nach dem Tunnel ging es dann auf der Trasse weiter. Viele aufgestellte Tafeln informierten über die Geschichte und Bedeutung der Bahnstecke. Die umfangreichste Nutzung fand vor dem 1. Weltkrieg statt, die Teile, die heute in Belgien liegen, damals als Eupen-Malmedy zum Deutsche Reich gehörten. Nach dem Krieg fand die Strecke niemals wieder zu ihrer Bedeutung zurück, weil hohe Zölle sie unwirtschaftlich machten. Heute behindern die Grenzen den Radverkehr nicht mehr und wir sollten uns immer bewußt sein, welchen Fortschritt wir in der EU genießen dürfen. Wir schätzen das Radfahren auf Bahntrassen: Abseits vom Verkehr und landschaftlich oft schöngelegen. Für Bergfexe ist das natürlich nichts, aber nach den vielen Höhenmetern, die hinter und vor uns liegen, einfach entspannend. Während der Weiterfahrt war oft nicht zu erkennen, in welchem Land man sich befindet. Gegen späten Nachmittag fanden wir eine Unterkunft in einem Kloster in Montenau. Das gehört zu Belgien und konnte man im Ort auch am Stil der Häuser erkennen.

Tagesstrecke: 72km, Hosingen – Troisvergiers – St.Veit – Montenau

 

  1. Tag 13.08.2015

Nach unserem etwas spartanischen Klosteraufenthalt nahmen wir den kurzen Weg zum Vennbahn-Radweg gen Aachen. Schönes Fahren auf befestigten und unbefestigten Abschnitten. Bei einigen Dörfern und Kreuzpunkten der ehemaligen Bahnen wurden wir von der Trasse abgeleitet. Oft waren Brücken zerstört oder Teile der Trasse Grundstücken zugeschlagen worden.

In Monschau, der Bahnhof ist oben und die Stadt ist im Tal, wollten wir Pause machen. Vom ehemaligen Bahnhof ging es steil bergab ins Tal. Dort angelangt reihten wir uns in die Autoschlange ein, die den vor der Stadt gelegenen Parkplätzen zustrebten. Fast alle Autos hatten gelbe Nummernschilder. Es war wieder sehr warm und wir hatten glücklicherweise draußen vor dem Restaurant ein Plätzchen im Schatten gefunden. Ein schönes Städtchen. Ich war zuletzt in der Schulzeit dort auf Klassenreise. Wir durften uns als Projekt an der Verkleidung der Stadt durch Christo abarbeiten.

Danach hieß es wieder zurück auf die Bahntrasse. Ca. 40km vor Aachen ging es dann nur noch bergab. Kurz vor Aachen sahen wir Gleise, und die wurde gerade erneuert und wo noch in Ordnung neu geschottert. Es scheint so, als ob der Teil als Vorortbahn wieder in Betrieb genommen werden soll. Wir folgten der Trasse in weitem Bogen nach Aachen mit Blck von der Brücke auf Kornelimünster hinein und suchten für die Übernachtung die Jugendherberge auf. In der Nähe fanden wir ein schönes Gartenlokal mit bayrischen Speisen und Bier. Lecker.

Tagestrecke: 95km, Montenau – Monschau- Aachen

 

  1. Tag 14.08.2015

In Aachen beratschlagten wir erst einmal, wie es weitergehen soll. Ursprünglich sollte die Reise in Aachen oder Köln enden, aber das sind wir nun 7 Tage früher angekommen. Für die Planung Richtung Norden gen Hamburg zu fahren, hatten wir nicht alle Karten dabei. Also sind wir erst einmal in die Innenstadt aufgebrochen. In einem Bücherladen am Dom fanden sich die gewünschten Karten für Radfahrer im Maßstab 1:150.000. Wir ließen die Gegend nördlich von Hannover aus; das kennen wir, da brauchen wir keine Karten. Unsere neue Planung sah nun vor, über Bonn/Köln an die Sieg und dort bis Kirchen, wiederum über eine Bahntrasse and die Ruhr und von dort querfeldein Richtung Hannover.

Nun erst einmal los an den Rhein. Wir schauten uns die niedliche Stadt Kornlimünster an, die uns einen Tag vorher beim Anblick von der Eisenbahnbrücke von einem Spaziergänger empfohlen wurde. Die Landschaft wurde nun langsam flacher. Wir passierten Düren. Was für eine trostlose Stadt: Grau, trist und vom Autoverkehr erwürgt. In der Nähe suchten wir einen See (Badesee) zur Mittagspause auf. Das Wetter war nun kühler und wenig sonnig. Lust zum Baden hatten wir nicht. Zum Rhein schafften wir es heute nicht mehr, in Lechenich übernachteten wir.

Tagesstrecke: 79km, Aachen – Kornlimünster – Stolberg – Düren – Lechenich

 

15.  Tag 15.08.2015

Am Rhein angekommen, folgten wir dem Fluß eine Weile aufwärts und querten den Rhein bei Bonn. Vorher in Brühl stolperten wir über das Schloß

Schloß Brühl
Schloß Brühl

und schauten uns in dem schönen Garten um. Versailles stand Pate.

Park Schloss Brühl
Park Schloss Brühl

Wir fanden den Einstieg zum Sieg-Radweg, den wir flußaufwärts nahmen. Anfangs wurden wir von, aus unserer Sicht, unendlich vielen Autobahnen begleitet, aber das gab sich doch nach kurzer Zeit. Ab  Siegburg wurde es schöner. In Eitorf machten wir Schluß und quartierten uns in einem besseren Hotel ein. Für den nächsten Tag wurde Regen ohne Ende angesagt.

Tagesstrecke: 75km, Lechenich – Brühl – Wesseling – Bonn – Hennef – Eitorf

 

  1. Tag 16.08.2015

Morgens aus dem Fenster geschaut: Es regnet ohne Unterlass, getreu dem Motto, angekündigtes gutes Wetter kommt oft nicht, aber schlechtes Wetter mit Sicherheit. Schnell zur Tankstelle geradelt, Zeitung besorgt und dann haben wir uns in den Wellnessbereich begeben. Es hörte auch den ganzen Tag nicht auf zu regnen.

 

  1. Tag 17.08.2015

Es regnet immer noch. Wir schauen uns die Augen: Noch einen Tag abhängen? Nein, wir sind kribbelig. Also los, vielleicht wird es im Laufe des Tages trocken. Weiter geht es die Sieg aufwärts. Leider hört der Sieg-Radweg bald auf und wir müssen uns auf die doch gut befahrene Straße begeben.

In Kirchen standen wir vor einem Straßentunnel, der für Fahrräder gesperrt ist. Wie nun weiter? Hinweisschilder für Radfahrer gibt es nicht, warum auch an dies denken, wir sind schließlich in Autofahrer-Deutschland. Wir haben uns dann durchgefragt. Der Regen ließ nicht nach und wir haben außerhalb von Kirchen oben am Hang ein schönes Hotel gefunden, wo wir dann pitschnaß ein schönes Zimmer bezogen.

Tagesstrecke: 66km, Eitorf – Kirchen

 

  1. Tag 18.08.2015

Wir starteten zwar ohne Dusche vom Himmel; es war grau in grau und feucht. Auf den Ruhr-Sieg-Radweg abgebogen, den wir bis Finnentrop folgten. Am Biggesee wurde es endlich sonnig und wir konnten dort in einem Cafe Kaffee und Kuchen haben. Finnentrop erwartete uns mit seinem unvergleichlich Charme einer abgewirtschafteten Industriestadt. Die Jugendherberge lag etwas weiter davor, haben wir als solche irgendwie nicht wahrgenommen und ein Zurück gibt es nicht. Wie Finnentrop war auch das Hotel: Abgeranzt! Zum Essen mußte eine Dönerbuder herhalten.

Tagesstrecke: 75km, Kirchen – Freudenberg – Attendorn – Finnentrop

 

  1. Tag 19.08.2015

Es geht weiter auf der Bahntrasse gen Ruhr. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen genossen wir die schöne Landschaft.

Landschaft Ruhr-Sieg
Landschaft Ruhr-Sieg

Durch den Fledermaustunnel ( 698m ) hindurch und danach weitgehend abschüssig.

Die Landschaft wurde weitläufiger, blieb aber hügelig. Wir bogen auf den Ruhr-Radweg ab, folgten ihm ein kurzes Stück. Da wir noch Zeit haben, wollen wir erst einmal Richtung Hameln weiterfahren. Also quer durch soll es gehen. In Alme machten wir für diesen Tag Schluß.

Tagesstrecke: 76km,  Finnentrop – Eslohe – Meschede – Brilon ( außen vorbei, kannten wir von der der Wanderung auf dem Rothaarsteig ) – Alme

 

  1. Tag 20.08.2015

Der Tag bescherte uns wieder den ersehnten Sonnenschein und wir machten uns Richtung Paderborn auf. Am Anfang ging es Kilometer um Kilometer bergab und danach wurde es flach. Mittags haben wir im Schloßpark bei Paderborn unsere Mittagsrast gemacht. Würstchen und Brötchen kamen richtig gut. Nun ging es weiter bis Bad Lippstadt zur Übernachtung.

Tagesstrecke: 87km, Alme – Büren – Paderborn – Hövelhof – Bad Lippspringe

 

  1. Tag 21.08.2015

Heute war unsere Tour doch etwas gemischt. Schöne und ruhige Strecken, wurden öfters durch Straßen mit viel Verkehr unterbrochen Am Schiedersee haben wir Rast in einer Freizeitanlage/Campingplatz gemacht. Es war nicht viel los, aber wenn Nordrhein-Westfalen Schulferein hat, dürfte es hier anders aussehen. Wir fuhren zur Unterkunftssuche nach Hameln hinein. Überall wurde Bezug auf die Ratten genommen. Unser Abendessen genossen wir in einem Restaurant mit bayrischer Küche und Bier, auch lecker.

Tagesstrecke: 76km,  Bad Lippspringe – Horn – Bad Meinberg – Lüdge – Emmerthal – Hameln

 

  1. Tag 22.08.2015

Heute ist unser letzter Tag der Reise und wir wollen erst am Abend nach Hause. Neue Planung: Von Hannover soll es mit der Bahn zurückgehen. Wir können mit dem Metronom von dort aus bequem zum Hauptbahnhof kommen und die Fahrradabteile sind sehr geräumig. Zu Beginn haben wir uns durch das Naturschutzgebiet Osterwald gewagt. Teilweise sehr anstrengend mit heftigen Steigungen auf Schotterwegen, aber sehr schön. Der Osterwald ist durch eine 16km lange Mauer umschlossenes Saugehege der Welfenkönige. Nur durch Pforten kommt man hinein.

Durchlass
Durchlass

Autos müssen draußen bleiben.

Fluss

Nach Hannover und hinein fuhren wir nur im Grünen. Guter Abschluß der Reise.

 

 

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